Politisches und zivilgesellschaftliches Engagement im Netz
An dem 11. Bundeskongress zur Politischen Bildung “Entgrenzung”, der vom 12. bis 14. März in Halle (Saale) stattfand, habe ich als Referentin zum Thema digitaler Aktivismus in der Sektion 2 – Realität und Fiktion – Entgrenzung durch neue Kommunikationswelten teilgenommen.
Die Beiträge unseres Panels zeigten von verschiedenen Perspektiven her auf, wie man das Internet für Partizipation an politischen Prozessen und zivilgesellschaftliches Engagement nutzen kann. Eine Darstellung des Obama-Wahlkampfs (Ute Pannen) und eine Analyse der Nutzung des “Social Web” durch Jugendliche und zivilgesellschaftliche Akteure (Jan-Hinrik Schmidt) wurde von mir ergänzt durch praktische Beispiele für von Aktivisten initiiertes Engagement im Netz, z.T. aus Erfahrungen mit netzpolitik.org sowie verschiedene internationale Initiativen (eine gute Gelegenheit meine Erfahrungen vom Info Activism Camp weiterzuverwerten).
Während sich die Vorträge v.a. mit erweiterten Möglichkeiten durch die Nutzung des Internets auseinandersetzten, wurden in der anschliessenden Diskussion einige der Herausforderungen angesprochen, mit denen sich viele der anwesenden Politiklehrer in ihrem Alltag konfrontiert sehen. Es ging z.B. um den Umgang mit den neuen online Öffentlichkeiten, in denen Inhalte persistent, durchsuchbar und mit unsichtbarem Publikum veröffentlicht sind (im Gegensatz zu einem Gespräch auf dem Schulhof). Scheindemokratisierung dadurch dass jeder veröffentlichen kann ohne eine breite Wirkung zu erzielen stand Argumenten der persönlichen Relevanz, themenspezifischen Öffentlichkeiten und partizipativen Methoden des Einbindens von Beiträgen in Kampagnen gegenüber.
Bezogen auf das Kongress-Thema “Entgrenzung” möchte ich noch den Gedanken / die Gegenthese ergänzen, dass die Möglichkeit eines Jeden im Internet zu veröffentlichen zwar grenzenloses Publizieren ermöglicht, andererseits aber eine Manifestation und ein Greifbarmachen der viel grenzenloseren Gedanken ist, die in den Köpfen der Menschen sowieso existieren. Durch das online Publizieren kann man nun damit umgehen, die Gedanken diskutieren, davon lernen, sie weiterentwickeln, und Gleichgesinnte finden. Hinsichtlich z.B. rechtsextremer online Inhalte kann man diese pro-aktiv im Unterricht aufgreifen, analysieren und diskutieren, und so gewünschtes wie nicht gewünschtes Gedankengut in die politische Bildung mit einbeziehen.



